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Selbstmord verhindern66 Prozent aller Jugendlichen sind davon überzeugt, dass jemand, der einen Selbstmord ankündigt, diesen nicht durchführt.Der scheinbar grundlose Selbstmord eines 13-jährigen Schülers in einem steirischen Gymnasium im Januar 2003 verdeutlichte ein häufiges Problem bei Selbstmorden: Sie werden angekündigt, aber die Warnzeichen nicht registriert. Gespräche können Leben retten, sind Experten überzeugt. 66 Prozent aller Jugendlichen sind fälschlicherweise noch immer davon überzeugt, dass jemand, der einen Selbstmord ankündigt, diesen nicht durchführt. Dazu kommt das Problem, dass diese Ankündigungen häufig maskiert sind. Sätze wie "Der dritte Weltkrieg kommt sowieso sicher, und dann ist alles aus" sollten daher die Alarmglocken schrillen lassen. Diese aktiven Warnzeichen gibt es vor jedem Selbstmord. Hinweise auf Probleme können aber auch Verhaltensänderungen sein: Der Jugendliche kapselt sich ab, verliert Interessen an Hobbys oder Ähnliches. Wichtigstes, aber zu selten angewandtes Mittel ist das Gespräch mit dem Betroffenen, um die Hintergründe abzuklären. Gerade Mitschüler sollten diese Botschaften ernst nehmen und sich im Zweifelsarzt an den Schularzt oder Schulpsychologen wenden. Die Schule hat bei der Problematik einen ganz großen Anteil. Im aktuellen Fall in Österreich, wo es innerhalb eines halben Jahres zu zwei Selbstmorden von Schülern gekommen ist, wünschen sich Experten eine unabhängige Untersuchungskommission. Man müsste sich das gesamte Umfeld ansehen. Gab es beispielsweise Mobbing oder autoritäre Strukturen in der Schule? Der Leiter der Abteilung Schulpsychologie im Bildungsministerium, sieht dafür keinen Grund. "So tragisch der Fall ist, aus dem Umstand, dass der Bub Schüler war, kann man noch kein generelles Problem des dortigen Standortes ableiten. Es gibt zwar keine aktuellen Zahlen über Selbstmorde an Schulen, aus früheren Jahren weiß ich aber, dass die Anzahl relativ konstant blieb." Grundsätzlich sieht auch der Beamte das Gespräch als besten Weg zur Krisenbewältigung. Wobei ihm jedoch eine "Stärkung der Kompetenz vor Ort" vorschwebt. Die Klassengemeinschaft sollte sich um die Betroffenen kümmern und Auswege aus Krisensituationen erarbeiten, wenn nötig mithilfe von speziell geschulten Lehrern. Unterstützung kann dabei auch von den Schulpsychologen kommen. München hat von allen bayerischen Städten die höchste Selbstmordquote.Die Polizei verzeichnete zwischen 1996 und 2001 im Durchschnitt fast 23 Selbstmorde pro 100000 Einwohner, der Landesdurchschnitt lag bei 16. In Großstädten ist die Suizidrate weltweit etwas höher als in kleinen Orten und ländlichen Gebieten. Das hat mehrere Gründe. Das soziale Netz ist in ländlichen Regionen oft tragfähiger. Durch die Anonymität in der Großstadt geraten Menschen eher in verzweifelte Situationen. Es lässt sich auch nicht ausschließen, dass Selbstmorde am Land seltener entdeckt werden. Außerdem gibt es in München einige psychiatrische Kliniken. Menschen mit seelischen Erkrankungen, vor allem mit Depressionen, haben ein höheres Suizidrisiko. Vor allem eine depressive Erkrankung ist ein Hochrisikozustand. Bei jeder schweren Depression muss man auch an einen möglichen Suizid denken. Die Ankündigung eines Selbstmords sollte man immer sehr ernst nehmen. Es ist schwer abzuschätzen, ob sich jemand nur leichtfertig oder vielleicht sogar erpresserisch äußert. Man muss wissen, dass fast alle Suizide im Rahmen einer psychiatrischen Krankheit erfolgen. Der Freitod, bei dem ein Mensch sein Leben bilanziert und dann daraus scheidet, kommt im Roman vor, aber nicht in Wirklichkeit. Ein Projekt in Nürnberg mit einem Bündel von Maßnahmen die Versorgung depressiver Menschen verbessern und damit die Suizide verringern. Das hat bereits zu großen Erfolgen geführt: 2001 gingen gegenüber 2000 die Suizide um 25 Prozent und die Selbstmordversuche um über 20 Prozent zurück. In Nürnberg wurde ein Netz geknüpft, an dem Betroffene, ihre Familien, Hausärzte und die breite Öffentlichkeit beteiligt sind. Es gibt Weiterbildungen, Informationen, Kinospots – ein konkretes Aktionskonzept. Diese Aktivitäten sollen bundesweit und nach Österreich, Frankreich und die Schweiz ausgedehnt werden. |